Gruppenbild Hochtourengruppe DAV Heilbronn | © DAV Heilbronn

Überschreitung des Piz Morteratsch

Am frühen Freitagmorgen ging es für die 14 Teilnehmer der Hochtourengruppe am P&R-Parkplatz in Untergruppenbach los.

10.07.2026

Nach einer entspannten Anreise erreichten wir gegen kurz vor zwölf unseren Zielparkplatz in Pontresina in der Schweiz. Da wir die Tour als Überschreitung geplant hatten, mussten wir zuerst noch aus taktischen Gründen die Autos auf verschiedene Parkplätze verteilen. Danach konnte der eigentliche Zustieg endlich beginnen.

Schon beim Aufstieg zur Bovalhütte waren wir von der Kulisse völlig begeistert. Die Berninagruppe zeigte sich von ihrer besten Seite: Der mächtige Piz Palü mit seinen drei Gipfeln und der schmale Biancograt waren einfach "großes Kino". Gleichzeitig war es aber auch erschreckend zu sehen, wie weit sich der Morteratschgletscher bereits zurückgezogen hat. An den gewaltigen Seitenmoränen konnte man das besonders gut erkennen.

Am frühen Nachmittag erreichten wir die Bovalhütte auf 2.459 Metern. Bei Kaffee und Kuchen genossen wir noch einmal die Aussicht und schauten uns den Routenverlauf für den nächsten Tag an. Danach gab es zum Abendessen Spaghetti Bolognese wahlweise Tomatensoße. Anschließend wurden die Trinkflaschen aufgefüllt und die Rucksäcke noch einmal ordentlich gepackt, denn wir würden nicht mehr zur Bovalhütte zurückkehren und mussten deshalb alles mitnehmen.

Also hieß es: früh ins Bett. Der Wecker sollte schließlich schon um 3 Uhr klingeln. Das Frühstück war von der Hüttencrew bereits vorbereitet und um 4 Uhr machten wir uns mit Stirnlampen auf den Weg.

Zuerst ging es über einen Wanderweg, später weglos weiter. Über eine Aluleiter und leichte Kraxelei schraubten wir uns bis zur Fuorcla da Boval hoch. Dort begann der Nordgrat. Angeseilt ging es über mehrere Seillängen kletternd Richtung Gletscher, eine richtig schöne und abwechslungsreiche Genusskletterei bis in den dritten Schwierigkeitsgrad. 

Danach wurden die Steigeisen angezogen und die letzten gut 400 Höhenmeter über den Gletscher in Angriff genommen. Durch die warmen Temperaturen war der Schnee stellenweise schon ziemlich sulzig und bei manchen Schneebrücken wussten wir nicht so recht, ob sie noch zuverlässig halten würden. Umso größer war die Freude, als wir schließlich den Gipfel des Piz Morteratsch auf 3.751 Metern erreichten. Die Aussicht war einfach überragend. Ein Gipfelkreuz suchten wir allerdings vergeblich.

Der Abstieg verlangte uns aufgrund der warmen Temperaturen noch einmal alles ab. An einer etwa 40 bis 45 Grad steilen vereisten Stufe richteten wir zur zusätzlichen Sicherheit ein Fixseil ein. Anschließend zog sich der lange Abstieg durch wegloses Gelände auf der Suche nach den Steinmännchen in Richtung Tschiervahütte. 

Nach und nach kamen alle Seilschaften gesund und zufrieden an der Hütte an, die einen etwas früher, die anderen etwas später.

Bei bestem Wetter schmeckte das wohlverdiente Bier auf der Terrasse natürlich besonders gut. Die Vorfreude aufs Abendessen war groß, und dann gab es tatsächlich wieder Spaghetti Bolognese wahlweise Tomatensoße. Langsam hatten wir das Gefühl, wir wären auf der Spaghetti-Route unterwegs. 

Am nächsten Morgen stand nur noch der rund dreieinhalbstündige Abstieg nach Pontresina an. Im Ort ließen wir die Tour bei einem Eis noch einmal Revue passieren, bevor wir uns zufrieden und mit vielen tollen Eindrücken auf den Heimweg machten.

Die Überschreitung des Piz Morteratsch war eine rundum gelungene Tour: abwechslungsreich, landschaftlich beeindruckend und mit einer tollen Mischung aus Kletterei, Gletscher und Hochgebirge. 

Eine Tour, die uns allen sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Simon Zeidler