Treffpunkt und Start war die Bieler Höhe am Silvretta-Stausee. Von hier aus ging es zunächst am See entlang und anschließend über den Fahrweg hinauf zur Wiesbadener Hütte. Dabei wanderte der Blick immer wieder zum Himmel, denn für den Nachmittag war ein Gewitter angekündigt. Unser Timing hätte kaum besser sein können: Wir erreichten die Hütte – und kurz darauf öffnete der Himmel seine Schleusen.
Auch für den nächsten Tag waren am Nachmittag wieder Gewitter vorhergesagt. Um rechtzeitig zurück auf der Hütte zu sein, hieß es deshalb: früh aufstehen und zeitig losgehen.
Von der Wiesbadener Hütte folgten wir zunächst dem Trittweg bergab in Richtung Fluss. Unten angekommen bot sich ein wunderschöner Blick auf den Wasserfall. Über Stege ließen sich die einzelnen Flussarme gut überqueren, bevor es mit leichter Kletterei wieder bergauf bis zur Gletscherzunge ging.
Dort angekommen hieß es: komplette Gletscherausrüstung anziehen und ab aufs Eis. Da der Gletscher aper war und der erste Teil des Aufstiegs steil nach oben führte, entschieden wir uns zunächst, seilfrei zu gehen. Nachdem das Steilstück überwunden war, öffnete sich vor uns der beeindruckende Blick über den Ochsentaler Gletscher.
Und da lag auch schon unser heutiges Ziel vor uns: der Piz Buin. Daneben der Kleine Piz Buin und dazwischen die Buinlücke, die uns den weiteren Weg wies. In einem weiten Bogen steuerten wir darauf zu. Dabei ging es mit Springen und Hüpfen über Rinnen und kleinere Spalten – natürlich immer mit der nötigen Konzentration.
Die Buinlücke selbst war an diesem Tag kein Ort zum längeren Verweilen. Der starke Steinschlag am Kleinen Piz Buin war beängstigend und faszinierend zugleich. Zum Glück gingen die Abbrüche in Richtung Schweizer Seite. Für uns trotzdem Grund genug, uns nicht länger als nötig dort aufzuhalten. Also raus aus dem Bereich und weiter Richtung Gipfel.
Ab hier begann der felsige Teil des Aufstiegs. Über mäßig verblocktes Gelände erreichten wir den Kamin, an dem leichte Kletterei im II. Schwierigkeitsgrad wartete. Anschließend ging es im Zickzack über die schuttbedeckte Flanke hinauf zum Gipfelkreuz.
Oben angekommen wurden wir für die Mühen reichlich belohnt. Ein atemberaubendes Panorama über die Gipfelwelt der Alpen und der faszinierende Blick hinunter auf den Ochsentaler Gletscher lagen vor uns. Schon während des Aufstiegs war das Panorama des Gletschergebietes beeindruckend gewesen – vom Gipfel aus wurde das Ganze aber noch einmal getoppt.
Wie so oft blieb nicht allzu viel Zeit, um das Gipfelglück ausgiebig zu genießen. Petrus hatte für den Nachmittag schließlich noch Regen angekündigt. Also machten wir uns wieder an den Abstieg.
Kaum waren wir wieder unten auf dem Gletscher angekommen, zogen auch schon die ersten Wolken über das Eis – für die Wegfindung nicht unbedingt förderlich. Ganz trocken schafften wir es schließlich nicht zurück zur Hütte. Doch so schnell wie der Regen gekommen war, verschwand er auch wieder und die Sonne kam heraus.
Und was gibt es Schöneres nach so einer Tour zurück auf der Hütte? Ein schönes kaltes Radler! Das zischt und weckt die Lebensgeister. Diejenigen, deren Lebensgeister nicht unbedingt geweckt werden wollten, hielten stattdessen ein kleines Schläfchen auf den Liegen vor der Hütte in der Sonne.
Wie schon am Abend zuvor gab es wieder nahrhaftes, solides Essen – diesmal sogar so nahrhaft, dass kein Nachschlag nötig war. Mit Spielen, Erzählen und dem gemeinsamen Rückblick auf einen gelungenen Tag ging der Tag zu Ende.