Gruppenbild der Hochtourengruppe des DAV Heilbronn | © DAV Heilbronn

Breiter Grieskogel im Ötztal

26 - 28. Juni 2026

26.06.2026

Wie aus einer Hochtour ein gelungenes Wochenende am Breiten Grieskogel wurde

Manchmal beginnt eine Tour schon lange vor dem ersten Schritt am Berg – in unserem Fall sogar noch während der Anfahrt. Zwischen Rucksäcken, Seilen und Proviant fällt beim letzten Ausrüstungscheck auf: Nicht jeder Helm hat den Weg ins Auto gefunden. Also kurzer Zwischenstopp im Talort, wo die örtliche Auswahl an Helmen ausgiebig getestet wird. Improvisation gehört eben zum Bergsteigen dazu.

Am Freitagmittag starten wir schließlich entspannt von Gries zur Winnebachseehütte. Der Zustieg führt gemütlich durchs Tal, die Gespräche laufen fast so flüssig wie die Bäche neben dem Weg. Mit jedem Höhenmeter wird die Kulisse beeindruckender: steile Felswände, tosende Wasserfälle und strahlender Sonnenschein sorgen für echtes Hüttenflair.

Da wir bereits am frühen Nachmittag die Hütte erreichen, bleibt ein seltener Luxus: reichlich Zeit. Während sich ein Teil der Gruppe noch in den Klettergarten aufmacht und einige Seillängen genießt, nutzen andere die Gelegenheit für einen zusätzlichen Gipfel. Unterschiedliche Ziele, aber dieselbe Motivation – den Tag in den Bergen voll auszukosten.

Am Abend treffen sich alle wieder auf der Terrasse der Hütte. Bei gutem Essen, vielen Geschichten und noch mehr Gelächter wächst die Vorfreude auf den eigentlichen Tourentag.

Früh am Samstagmorgen geht es los. Zunächst führt uns der Wanderweg zügig bergauf, bis sich der Breite Grieskogel immer deutlicher vor uns aufbaut. Nach und nach wird das Gelände alpiner. Der markierte Weg endet, Geröll und Blockwerk übernehmen. Schritt für Schritt arbeiten wir uns dem Gletscher entgegen.

Dort heißt es: Steigeisen an, Seil heraus. In drei Seilschaften queren wir konzentriert, aber routiniert das Eis. Kurz vor dem Gipfel wartet noch eine leichte Kletterpassage, dann stehen wir auf dem 3.278 Meter hohen Breiten Grieskogel.

Oben herrscht dieses besondere Gipfelgefühl, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Die Anstrengung ist schnell vergessen, während der Blick über die umliegenden Gipfel schweift. Brotzeit, Gummibärchen und sogar ein kleines Ständchen auf der Mundharmonika machen den Moment perfekt – Bergglück in seiner schönsten Form.

Der Abstieg verlangt noch einmal volle Aufmerksamkeit. Über den Grat und anschließend zurück über den Gletscher geht es talwärts. In einer steileren Passage sorgt ein T-Anker für zusätzliche Sicherheit. Der mittlerweile sulzige Schnee bringt dabei die eine oder andere unfreiwillige Rutschpartie mit sich – sehr zur Belustigung derjenigen, die gerade zuschauen dürfen.

Kaum erreichen wir wieder den Wanderweg, zeigt das Wetter seine wechselhafte Seite. Erst Regen, dann Hagel – also heißt es Tempo aufnehmen. Nass, aber bestens gelaunt kommen wir an der Hütte an, pünktlich zum nächsten Wetterumschwung. Wenige Minuten später scheint bereits wieder die Sonne.

Der Hüttenabend verläuft entsprechend entspannt. Beim Abendessen, Kartenspielen und Erzählen werden die Erlebnisse des Tages noch einmal lebendig und Pläne für kommende Touren geschmiedet.

Am Sonntag führt der Weg schließlich zurück ins Tal nach Gries. Die Tour klingt gemütlich aus, und zum Abschluss wartet noch eine wohlverdiente Erfrischung im eiskalten Gebirgsbach – Schuhe aus, Füße ins Wasser und den Moment genießen.

Was bleibt, ist ein Wochenende, das alles bot, was eine gelungene Hochtour ausmacht: spontane Materialorganisation, einen entspannten Zustieg, abwechslungsreiches alpines Gelände, Gletscher, wechselhaftes Wetter und vor allem viele gemeinsame Erlebnisse. Genau solche Wochenenden machen unseren Bergsport aus – und wecken schon jetzt die Vorfreude auf die nächste Tour.

Fabienne Wagner.