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DAV EXPEDITIONSKADER 2023.

HOT ROCKS, COLD ICE & SNOW… HAPPY AMELIE!

Ein Interview über Alpinismus, Talent und Leidenschaft von Marina Mantino mit Amelie Kühne

Um das Engagement von jungen Bergsteigern*innen im Alpinismus zu fördern, hat der DAV vor 20 Jahren den Expedkader ins Leben gerufen. Hier werden junge talentierte Nachwuchsalpinisten*innen in Lehrgängen, verteilt auf 3 Jahre, in den Bereichen Alpinklettern, Tradclimbing, Technoklettern, Bigwall, Risskettern, Eisklettern, Hochtouren, Lawinen und Bergrettung ausgebildet. Den Höhepunkt bildet eine gemeinsam projektierte Expedition. Amelie Kühne ist als Nachwuchsalpinistin im Expedkader 2023 aufgenommen und ist mit 19 Jahren die jüngste im Team!
 

Warum hast du dich bei dem Frauen-Expeditionskader Deutschland beworben? - Wie kam es dazu?

Hot rocks, cold ice and snow... es ist einfach eine phantastische Vielfalt, wie man Berge mit all seinen Sinnen erleben kann, die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Berge faszinieren mich schon immer, von klein auf, sie sind ein ganz besonderer Ort: Man kann sich voll auspowern, muss manchmal einfach richtig kämpfen, kommt an seine Grenzen, kann aber wiederum die schönsten und prägendsten Momente erleben.

Unvergessliche Momente waren hier zum Beispiel: Abenteuerklettern in den Dolomiten (Hasse Brandler 2018 mit meinem Bruder David), Skitour auf den Mont Blanc mit Joachim & Simone Feger und Laszlo Toth oder sonst rund herum in den Alpinen Welten mit meiner Familie und anderen Freunden*innen.

Wie lief das Auswahlverfahren für das Sichtungscamp ab? - Muss dafür eine bestimmte Schwierigkeit vorgeklettert werden?

Zuerst musste ich mich über meinen Tourenbericht für die Vorauswahl qualifizieren. Aus diesem Pool wurden dann 18 Athletinnen zum Sichtungscamp eingeladen. Die Teamer hatten dann, aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse der Tourenwoche, die schwere Aufgabe sechs Mädels für das Expedkader-Team auszuwählen.

Natürlich sollte man ein bestimmtes Mindestkletterniveau mitbringen. Wichtig sind aber auch andere Faktoren wie z. B. Teamfähigkeit, der Umgang mit seinen eigenen Stärken und Schwächen, Kondition, gute Nerven, das Fortbewegen im alpinen Gelände, Entwicklungsfähigkeit, Motivation. Aber schlussendlich ist es auch wichtig, dass alles zusammenpasst.

Eigentlich hätte das Sichtungscamp im Mai stattfinden sollen - Coronabedingt wurde es auf Oktober nach Mittenwald verlegt.
Kam es aufgrund der winterlichen Verhältnisse zu besonderen Herausforderungen?


Tatsächlich hatte es in den Tagen zuvor schon in den höheren Lagen ordentlich geschneit. Durch den frühen Wintereinbruch waren die Bedingungen für die alpinistischen Aufgabenstellungen in jeder Hinsicht sehr anspruchsvoll. Von Problemen darf man da aber nicht reden. Wir sind alle Alpinistinnen und somit eigentlich bei fast jedem Wetter in den Bergen unterwegs und gerade über Schnee freut man sich ja schließlich auch schon.

So hatten wir also jede Menge Schnee, aber leider noch kein ordentliches Eis. Aus den geplanten Mixedtouren (Kombiniertes Fels- und Eisklettern; es wird mit Eisgeräten und Steigeisen geklettert) wurde dann eher ein „Schneemauswühlen“, daher galt es auf ganz andere Weise die Nerven zu behalten…aber es hatte gerade deswegen für mich einen besonderen Reiz gehabt.

Kannst du kurz zusammenfassen, was ihr im Sichtungscamp gemacht habt?

Die Woche verflog wie im nu, wir konnten wirklich jeden Tag erlebnisreiche Touren machen. Dabei waren wir meist in Zweiergruppen mit einem Bergführer*in unterwegs. Die Touren waren ziemlich abwechslungsreich, mal war alpines Felsklettern angesagt, dann wieder pfiffige Mixed-Klettertouren und last but not least Drytoolen.

Als Vorbereitung für klassische Touren wurde auch richtiger Standplatzbau und Anseiltaktik, der Einsatz von mobilen Sicherungsmitteln und der Umgang mit Hammer und Schlaghaken, eingeübt. Manche Zustiegshatscher konnten wir mit dem E-Bike entschärfen, das bei den winterlichen Bedingungen, (Schneekettenpflicht ihr wisst ja …) durchaus auch eine Herausforderung war. Am vorletzten Tag war noch ein Berglauf von 1000hm auf Zeit angesagt. Die Touren durften wir immer selbst im Team planen. Abends saßen wir dann immer noch zusammen und haben uns über die Touren ausgetauscht. Die Stimmung war echt toll!

Wie trainier(s)t du/ihr auf die Abschlussexpedition hin?
(Wie bereitest du dich darauf vor?)


Wir haben nun über die Kaderzeit verteilt einige Lehrgänge mit unterschiedlichen Schwerpunkten (Eisklettern, Alpinklettern, Mixedklettern, etc.), die uns auf unsere Abschlussexpedition 2023 vorbereiten. Aber nicht nur die Lehrgänge helfen uns Erfahrungen zu sammeln und uns zu verbessern: In unserer Freizeit verbringen wir die meiste Zeit in den Bergen und gehen dabei alle Spielarten des Kletterns durch. Im Winter sind wir mehr im Schnee und Eis unterwegs, im Sommer eher am Fels.

Gibt es Unterschiede zwischen der Mädelsgruppe - Jungsgruppe?

Hin und wieder gibt es natürlich Unterschiede, ob man mit Frauen und Männern unterwegs ist… die Gesprächsthemen sind auf jeden Fall etwas anders (Amelie schmunzelt). Man ist manchmal in einer Frauenseilschaft vielleicht ein bisschen überlegter und gibt sich nicht in falsche Bequemlichkeiten bei der Tourenplanung, aber eigentlich ist man ja immer noch in den Bergen unterwegs und hat gemeinsam Spaß und das ist es was es ausmacht.

Habt ihr auf dem Sichtungscamp als Team zusammengearbeitet, euch geholfen, gemeinsam Problemen gestellt oder hat jeder für sich trainiert und geübt?

Wir haben uns alle mega gut miteinander verstanden. Sorgen, dass wir uns alle nur als „Konkurrentinnen“ sehen könnten, sind schon nach dem ersten Kennenlernen verflogen. Klar, jede hat ihre Stärken und Schwächen, aber diese ergänzen sich im Team eigentlich immer. Man hilft sich, achtet auf jeden anderen und lernt dazu… das macht es ja auch aus im Team unterwegs zu sein. Insgesamt haben wir die ganze Woche sehr viel lernen und neue Freundschaften knüpfen können.

Nach den 2 Jahren, die man im Expeditionskader verbringt, gibt es die Möglichkeit Bergführer*in zu werden.
Welche Türen stehen dir danach offen und welche Ziele verfolgst du persönlich?


Ich zitiere hier mal Koordinator Philipp Abels: „Der Expedkader ist ganz klar ein Tor zum professionellen Bergsport, viele sind heute als Bergführer*innen innerhalb und außerhalb des Deutschen Alpenvereins aktiv, einige der Absolventen haben sich dem Spitzenalpinismus verschrieben. Ein besonders schöner Effekt ist es, dass einige ehemalige Teilnehmende ihr Wissen als Kadertrainer*in an die nächste Generation weitergeben, wie z. Bsp.: Dörte Pietron die 2011 den Frauen-Expedkader ins Leben gerufen hat.“

Mit meinen 19 Jahren bin ich die jüngste im Team und lass das alles mal auf mich zukommen, sozusagen step by step. Es gibt aber auch andere coole Wege, die danach eingeschlagen werden können… ich glaube da lasse ich mich überraschen, was die Zukunft so alles mit sich bringt :)

Marina Mantino

Wir sind stolz, gratulieren zu dieser besonderen Leistung und wünschen viele schöne Bergabenteuer
bei ihrer Zeit im Expeditionskader Deutschland - rock on Amelie!

 

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