Bis der Auspuff glüht: Jugendcup in Heilbronn

Es war ein doppeltes Schaulaufen am vergangenen Wochenende in Heilbronn: Während rund um die Kletterarena die Tuning-Szene röhrte, dröhnte und wummerte („Die fetteste Bassreflexröhre der Welt“, „10 Zoll Doppel-Endrohr vollverchromt“) und damit zeigte, was sie vermeintlich drauf hat, gab es nur wenige Schritte weiter echten Leistungssport zu sehen. Nachdem beim ersten Sportklettercup in Dornbirn nur die Junioren antreten durften, konnten nun endlich auch die jüngeren Altersklassen zeigen, was sie können. Die Routenbauercrew Dirk Uhlig, Christoph Gabrysch und Mathias Conrad sah sich vor der schwierigen Aufgabe, das enorm breite Leistungsspektrum zwischen Jugendweltmeistern und Jugendcup-Neulingen abzudecken und hatte für die Qualifikation 5 harte aber sehr interessante Routen in die 18,5 Meter hohe Wettkampfwand geschraubt. Die kniffligen und athletischen Routen forderten nicht nur Kraft und Technik sondern auch Köpfchen von den insgesamt 115 Startern.
Aus diesen wurden schließlich die Finalisten ausgesiebt, die sich schließlich in den beiden langen Finalrouten quer durch die gesamte Wettkampfwand versuchen konnten. Mittlerweile ist die B-Jugend die stärkste Altersklasse, so dass man gleich von den ersten Startern im Finale auch die höchsten Wertungen erwarten konnte. Bei den B-Mädels gingen die beiden Jugendkader-Starterinnen Lilli Färber (Erlangen) und die Sechste der Jugend-WM, Hannah Baehr (Schwäbisch-Gmünd), als Favoritinnen ins Rennen. Hannah Baehr hatte nach der Qualifikation knapp die Nase vorn und durfte als letzte Starterin an die Wand. Zuvor hatte bereits Lilli Färber eine deutliche neue Bestmarke gesetzt, bevor sie etwas unglücklich ein Zweifingerloch verfehlte. Hannah hatte ebenfalls kein Glück mit dem besagten Zug, blieb aber noch kurz an der Lochkante hängen und sicherte sich damit knapp den Sieg vor Lilli. Starke Dritte wurde die Frankfurterin Lina Himpel, die seit dem letzten Jahr noch einmal deutlich zugelegt hat und sich nun hoffentlich auf den Jugend-Podien etablieren kann.
„Unsere“Hanne Schächtele konnte sich nach einer guten und einer naja-es-geht-so-Qualiroute als 7.für das Finale qualifizieren. Mann, waren wir alle mit Dir aufgeregt…im Endergebnis sah es dann so aus, dass die athletische und ziemlich auf Länge geschraubte Finaltour Hanne auf den 10. Rang zurück. Next Time!!!Wir sind bei Dir.
Bei den B-Jungs wollten natürlich alle die beiden Weltmeisterschafts-Medaillengewinner top klettern sehen: Jugend-Weltmeister Sebastian Halenke (Schwäbisch-Gmünd) und Bronzemedaillengewinner David Firnenburg (Alpinclub Hannover) hatten schon in der Qualifikation mit Topbegehungen und Fast-Tops ihre Siegansprüche angemeldet. Bevor aber die beiden als letzte in die Finalroute durften, hatten Moritz Hans (Schwaben) sowie der starke Coburger Joachim Tensing – seines Zeichens Deutscher Jugend-Bouldermeister – schon eine tolle Vorstellung geboten und belegten Platz eins und zwei. Für beide war aber kurz vor einem weiten Sprung an einen Henkel Schluss. Dann kam der Weltmeister als vorletzter Starter: Das, was zuvor allen Finalisten enorm schwer gefallen war, sah beim Irokesen-Träger Halenke aus wie eine erweiterte Aufwärmübung. Der besagte Sprung wurde kurzerhand statisch aufgespannt und danach wartete nur noch das Abschlussdach mit den beiden großen Volumen auf Sebastian. Hier musste aber auch der Weltmeister noch einmal Gas geben und seine Flügelchen aufklappen, was ihn aber nicht von der (wie sich später herausstellen sollte) einzigen Topbegehung der Jungs-Finalroute abhalten konnte. So musste also auch David Firnenburg top klettern, um zumindest noch ein Superfinale herbeizuführen. David unterschätzte allerdings den weiten Sprung vor dem Abschlussdach, setzte ihn mit der falschen Hand an und sah sich unverhofft im Seil hängen, so dass es für den Norddeutschen am Ende leider nur für Rang zwei reichte. Platz drei sicherte sich Moritz Hans.
Die A-Jugendlichen hatten danach die schwere Aufgabe, die von den „kleinen“ B-Jungs & Mädels vorgelegte Höhe zu überbieten. Luisa Deubzer (München-Oberland) hatte nach der Qualifikation die Führung inne, dahinter folgten mit Ronja Kellner (Freising), Chiara-Maria Clostermann (Ringsee) und Isabell Leiner (Zweibrücken) gleich drei Damen auf dem zweiten Platz. Und auch im Finale konnte die Münchnerin mit Abstand die größte Höhe vorlegen – mit schon deutlichen 11 Zügen Abstand folgte auf Rang 2 Chiara Maria Clostermann vor Isabell Leiner. Damit zeigte Luisa Deubzer, dass mit ihr auch international bei den noch ausstehenden Jugend-Europacups wieder zu rechnen ist. Die WM-Qualifikation in diesem Jahr hatte sie nach ihrem Bronzemedaillen-Gewinn 2009 leider verpasst.
In Abwesenheit von Vizeweltmeister Alexander Megos (Erlangen), der sich angesichts der Doppelbelastung Jugend- und Seniorenwettkämpfe eine kleine Pause gönnte, lag die Favoritenrolle ganz bei seinem Jugendkader-Kollegen Christoph Hanke (München-Oberland), der nach der Qualifikation auch das Feld anführte. Im Finale sorgte aber zuerst ein anderer für Furore: Bereits als zweiter Finalist gestartet, legte Dominik Winkler (Frankfurt) mit enormem Kampfgeist eine beachtliche Höhe hin, die bis zum letzten Starter im Finale niemand toppen konnte. Damit hatte Winkler schon Silber sicher, als Chris Hanke in die Route einstieg. Auch Hanke hatte Schwierigkeiten an der Stelle, an der Winkler den Abflug antreten musste, konnte sich aber mit schierer Gewalt noch einen Zug weiter an ein eigentlich nur als Tritt gedachtes Volumen retten. Damit machte er das Rennen vor Winkler, knapp gefolgt von Jonas Winter (Barmen), der ebenfalls eine solide Vorstellung bot.
Am Ende durften noch die Junioren ran: Klare Favoritin war hier Ines Dull (Allgäu-Kempten), die auch nach der Qualifikation das Feld anführte. Ganz gemäß dem Qualifikationsergebnis konnte jede der Starterinnen im Finale ein wenig höher klettern als die Vorgängerin, so dass sich am Ranking nichts änderte. Knapp wurde es jedoch noch einmal im Kampf um Platz eins: Ines Dull berührte gerade noch den Griff, den die Zweitplatzierte Lara Scharf (Frankfurt) nicht mehr berühren hatte können. So ging der Sieg hauchdünn an die Allgäuerin, Platz drei sicherte sich Selina Beck (Schwaben).
Bei den Junioren hatte einer in der Qualifikation ganz besonders überzeugt: Martin Tekles (Berchtesgaden) war der einzige an diesem Tag, der beide Qualifikationsrouten hatte top klettern können, dementsprechend gespannt waren die Zuschauer, was der Mann im Finale so reißen würde, und ob er wie Sebastian Halenke die Umlenkung würde einhängen können. Zuvor hatte sich Marcel Dippon (Oberer Neckar) knapp vor Simon Bosler (Schwaben) an die Spitze des Feldes setzen können. Tekles stieg ein, kletterte souverän, und auf einmal sah man ihn brüllend im Seil hängen. Unverhofft war ihm der Fuß weggerutscht – damit landete der Favorit auf dem sechsten Platz. Auch das ist Wettkampfklettern – auch Weltmeister sind schon unverhofft vom Tritt geschmiert… So holte sich Marcel Dippon vor Simon Bosler und Felix Leuoth (Alpinclub Hannover) den Sieg.
„Unser“ Eli Dunz verfehlte leider das Finale in einer sehr stark besetzten Altersklasse nur um einen Hauch: Es ist halt ein Unterschied zwischen Griff-berühren und Griff-festhalten. Mit dem 7. Platz hat er allerdings trotzdem gezeigt, was in einem Öhringer stecken kann!
Damit ging ein wieder einmal hervorragend organisierter Wettkampf in der kletterarena zu Ende: Das Helferteam sorgte nicht nur für ein Rahmenprogramm mit Hip Hop Live-Act und Capoeira-Tanztruppe, sondern mit der gewohnt guten Stimmung in der Helfercrew und dem Kuchenbuffet für Wohlbefinden in allen Belangen. Da machte es auch nichts, dass draußen vor der Tür die Reifen qualmten und nebenan 15.000 Watt aus dem Kofferraum eines getunten Golfs hämmerten…
Weiter geht es für die Kletterer bereits am 16./17 Oktober mit der Wettkampf-Premiere beim Sportklettercup im DAV Kletterzentrum Würzburg – dann wieder wie gewohnt mit dem Damen-/Herren-Wettkampf am Samstag und den Jugendlichen am Sonntag.
Komplette Ergebnisse :
Junioren:
1 Dippon Marcel 1991 Oberer Neckar
2 Bosler Simon 1992 Schwaben
3 Leuoth Felix 1992 AlpinClub Hannover
4 Bosler Fabian 1991 Schwaben
5 Götting- Boller Mathias 1991 Siegerland
6 Tekles Martin 1991 Berchtesgaden
7 Dunz Elias 1992 Heilbronn
8 Porscha Maximilian 1992 Schwaben
9 Winkler Marvin 1992 Darmstadt-Starkenburg
10 Bosler Daniel 1992 Schwaben
11 Niemann Jacob 1992 Berlin
12 König Timo 1991 Frankfurt/Main
13 Heede Nils 1992 Münster/Westfalen
14 Krämer Moritz 1991 Siegerland
15 Steinhausen Max 1991 Berlin
Juniorinnen:
1 Dull Ines 1991 Allgäu-Kempten
2 Scharf Lara 1991 Frankfurt/Main
3 Beck Selina 1992 Schwaben
4 Krause Julia 1992 Sächsischer Bergsteigerbund
5 Gut Maria 1992 Deggendorf
6 Zeyen Elisabeth 1992 Frankfurt/Main
Jugend A weibl.:
1 Deubzer Luisa 1994 München-Oberland
2 Clostermann Chiara Maria 1993 Ringsee
3 Leiner Isabell 1993 Zweibrücken
4 Herrmann Lena 1994 AlpinClub Hannover
5 Kellner Ronja 1994 Freising
6 von Chamier Katharina 1993 Münster/Westfalen
7 Reitmaier Elisabeth 1994 Rosenheim
8 Kreuzer Annabell 1993 Bochum
9 Zajonc Maja Julie 1993 AlpinClub Hannover
10 Windelband Rosa 1994 Sächsischer Bergsteigerbund
11 Vergien Miriam 1994 Krefeld
12 Grill Lisa 1994 AlpinClub Hannover
13 Pidde Annika 1994 Frankenthal
14 Schlund Ilana 1994 Karlsruhe
15 Portich Daria 1994 Münster/Westfalen
16 Schmid Johanna 1993 Deggendorf
17 Winterstein Julia 1993 Hanau
Männliche Jugend A:
1 Hanke Christoph 1994 München-Oberland
2 Winkler Dominik 1993 Frankfurt/Main
3 Winter Jonas 1994 Barmen
4 Nicklas Jan 1993 Frankenthal
5 Hans Philipp 1993 Schwaben
6 Nauber Jan 1994 Beckum
7 Herrmann Max 1993 Sächsischer Bergsteigerbund
8 Beck Fabian 1993 Schwaben
9 Günther Lucas Matteo 1994 Schwaben
10 Kießler Maximilian 1993 Sächsischer Bergsteigerbund
11 Ebrecht Daniel 1994 Frankenthal
12 Klein Dominik 1994 Siegerland
13 Eggenwirth Leo 1993 Kassel
14 Oberbach Falk 1993 Schwaben
15 Lechel Adrian 1993 Berlin
16 Schmidt Tristan 1994 Leipzig
17 Ertel Niklas 1993 Siegerland
18 Sanderbeck Marius 1993 Speyer
19 Vieser Max 1994 Karlsruhe
20 Schumann Ricardo 1993 AlpinClub Berlin
Weibl. Jugend B:
1 Baehr Hannah 1996 Schwäbisch Gmünd
2 Färber Lilli 1995 Erlangen
3 Himpel Lina 1995 Frankfurt/Main
4 Schreiber Anja 1995 Schwaben
5 Tiripa Ana 1996 Rheinland-Köln
6 Quirmbach Johanna 1996 Koblenz
7 Naundorf Rica 1997 Rheinland-Köln
8 Petri Friederike 1996 Burghausen
9 Kiesgen Lilli 1996 Frankfurt/Main
10 Schächtele Hanne 1996 Heilbronn
11 Hofmann Marie 1996 Peiting
11 Rupprecht Mara 1995 Krefeld
13 Leiner Michelle 1997 Zweibrücken
13 Schnelzer Sophia 1996 München-Oberland
13 Sherpa Pema 1996 München-Oberland
16 Plankenstein. Lucie 1995 Erlangen
17 Hönig Afra 1995 Landshut
18 Bezold Helena Mirjam 1995 Erlangen
19 Rist Lara 1997 Ulm
20 von Chamier Charlotte 1996 Münster/Westfalen
21 Hilpert Dagny 1996 Koblenz
22 van der Wel Elisa 1997 Zweibrücken
23 Moser Josefine 1995 Sächsischer Bergsteigerbund
24 Schliepe Jana 1995 Berlin
Männl. Jugend B:
1 Halenke Sebastian 1995 Schwäbisch Gmünd
2 Firnenburg David 1995 AlpinClub Hannover
3 Hans Moritz 1996 Schwaben
4 Tensing Joachim 1996 Coburg
5 Hettich Paul 1996 Schwaben
6 Firnenburg Ruben 1997 AlpinClub Hannover
7 Wientjes Florian 1995 München-Oberland
8 Waldleben Moritz 1996 Freiburg-Breisgau
9 Möbius Bernd 1996 Schwaben
10 Ritter Simon 1995 Barmen
11 Wurm Alexander 1996 Wuppertal
12 Bosler Joshua 1996 Schwaben
13 Günther Tom-Louis 1997 Zweibrücken
14 Whitehead Patrick 1995 Rosenheim
15 Averdunk Alexander 1997 München-Oberland
16 Knott Vincent 1995 Zweibrücken
17 Siebenkäß Paul 1997 Erlangen
18 Braun Marcel 1995 Aachen
19 Gerhardt Luis 1997 Karlsruhe
20 Stein Lucas 1995 Darmstadt-Starkenburg
21 Leyendecker Joshua 1996 Wuppertal
22 Hoffmann Lars 1996 AlpinClub Hannover
23 Kuttner Scott 1997 Zittau
24 Bertram Bennett 1997 Koblenz
25 Schwitzgebel Johannes 1997 Frankfurt/Main
26 Hanys Leo 1996 Frankfurt/Main
27 Schindler Markus 1995 Berlin







