Entstehungsgeschichte des Heilbronner Weges

Schon Ende der achtziger Jahre im vorigen Jahrhundert hatte der Deutsch-Österreichische Alpenverein die Idee, das Hohe Licht mit der Mädelegabel durch eine hochalpine Weganlage zu verbinden. Der Kemptener Alpinist Anton Hengeler suchte mit einigen Bergkameraden die günstigste Route durch das nicht immer übersichtliche Gelände aus. Er, der Stadt- und Sektionskassier, ist auch in den nächsten Jahren der unermüdliche, peinlich genaue Rechner des Weges gewesen. Die Brüder Klein wiederum waren es, die es in zehnjähriger Arbeit unternahmen, den Weg zu bauen, von 1889 bis 1899. Was der Sektion Allgäu-Kempten jedoch fehlte, war das Geld zur Finanzierung des Weges, weil sie sich mit dem Bau von zwei Hütten (Rappenseehütte im Jahre 1885 und Kemptner Hütte im Jahre 1892) finanziell verausgabt hatte. Die Sektion Kempten wandte sich wegen der Finanzierung zuerst an die Sektion Mainz, die nach intensivem Schriftverkehr, Ende 1894 das Projekt "Hohes Licht - Mädele Gabel" ablehnte. Verhandlungen mit der Sektion Heilbronn in den Jahren 1895/96 zeigten einen besseren Erfolg. Dem 1. Vorsitzenden der erst vier Jahren alten Sektion, Friedrich Molfenter, gelang es, die Mitglieder für das Vorhaben zu begeistern. Am 23. August 1896 schloß die Sektion Allgäu-Kempten mit dem Wegemacher Anton Klein aus Rubi einen Vertrag, wonach dieser, sofern es das Wetter ermöglichte, schon im Sommer 1896 mit dem Bau beginnen sollte, damit die Einweihung vielleicht noch im August 1898 erfolgen könne. Anfang Dezember 1896 schlossen die Sektionen Allgäu-Kempten und Hellbronn einen Vertrag über die Ausführung des Verbindungsweges Hohes Licht - Mädelegabel.

Auszüge daraus:

"Die A.V.S. Heilbronn sorgt für rechtzeitige Bereitstellung der erforderlichen Geldmittel und Abführung entsprechender Vorschußzahlungen an die A.V.S Kempten."

"Die A.V.S. Kempten sichert sachgemäße und solide Ausführung des Wegbaues in allen Theilen zu und legt über die Ausführungskosten detaillierte Rechnung."

"Bezüglich der anläßlich der Eröffnungsfeier zu treffenden Veranstaltungen und deren Kostendeckung bleibt besondere Vereinbarung zwischen beiden Sektionen vorbehalten."

Aus der damaligen Zeit sind noch einige Schriftstücke erhalten. So unter anderem ein genauer Kostenvoranschlag für "zerlegbare Leitern aus pulverisierten schmiedeeisernen Röhren" (pro Meter M. 11.45). Infolge von Schlechtwetterperioden und unvorhergesehenen Bauschwierigkeiten konnte die Einweihung nicht mehr 1898 durchgeführt werden. Nicht zuletzt durch bedeutende Felssprengungen verdoppelten sich die veranschlagten Kosten auf 8.500 Mark.

Im Jahre 1899 intensiviert sich der Schriftverkehr. So schreibt Friedrich Molfenter am 2. März unter anderem:

"Als Termin (für die Einweihung) wird von uns die Zeit vom 22. - 24. Juli vorgeschlagen; von einer kirchlichen Weihe soll abgesehen werden, nachdem ein solcher Akt im Allgäu bisher nicht üblich war." Es blieb im Übrigen bei dem vorgeschlagenen Einweihungstermin. Die Heilbronner stellten den Wein, die Kemptener steuerten die nahrhaften Sachen bei. Mit Leiterwagen gings zur Birgsau. Bei der Rappenseehütte waren noch einige Zelte errichtet worden, um alle Gäste unterzubringen. Der Bergführer Braxmayr war Organisator und Koch. Vom Zentralausschuß des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins war Heinrich Schweiger erschienen. Der "Heilbronner Weg" war geboren.

Zum Abschluß dieses Kapitels noch ein Auszug eines Briefes von Friedrich Molfenter an den Kemptner Vorsitzenden Förderreuther: "Ich bin auf den Bettel gegangen und habe schon 210 Flaschen Wein zusammengebracht."

Und etwas später: "Ihrer Weisung gemäß habe ich 18 Kisten und Körbe an Anton Klein in Rubi abgehen lassen. Neben 256 Flaschen Wein enthalten dieselben 20 Pfund Maccaroni, 500 Cigarren, Parmesankäse und Paprika! Wegen des vielen Weines machen Sie sich keine Sorgen, haben wir gutes Wetter und ein starke Beteiligung, dann trifft es nicht viel auf einen; und ich sorge schon dafür, daß alles glatt geht, denn meine Heilbronner vertragen schon was Ordentliches."

Text: Manfred Blatt / Josef Kaliga