Geschichte

Die Neue Heilbronner Hütte – Geschichte ab 2001

Der neue Anbau

Mit großen Anstrengungen und Leidenschaft folgt die Sektion ihren ideellen Überzeugungen zur Pflege des Alpinismus: „… die Erhaltung von Hütten, sowie die Errichtung und Erhaltung von Wegen im Hochgebirge, die uns helfen können die Kenntnisse über die Hochgebirge zu erweitern und somit vielleicht …die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt zu erhalten…“ (Satzung –Sektion Heilbronn).
Daher wurde und wird in regelmäßigen Abständen an und in der Hütte gebaut, erweitert, renoviert, verbessert, mit kleinen und großen Maßnahmen immer wieder versucht, das Gebäude den Bedürfnissen anzupassen. Dabei wurden auch viele infrastrukturelle Einrichtungen installiert, die der Gast nicht sofort sieht. Zunächst erledigte man das Wichtigste: Man vergrößerte die Übernachtungskapazität, später folgten eine elektrische Heizung und eine neuzeitliche Wasserversorgungsanlage. Zuletzt ein blitzsauberes Selbstversorgerhaus für die Wintersportler.
Drei Architekten planten und leiteten die Baumaßnahmen in den den letzten 75 Jahren: Richard Scheffler, Herbert Alber und Wahrmut Stehle. Begleitet wurden sie von Carl Eckert, Gerhard Fromm, Wilfried Thonig und Peter U. Quattländer als Hüttenwarte.
Dieses mal stand der Umbau im Zeichen der Sicherheit und dem allgmeinen Wunsch nach mehr Komfort im Übernachtungssektor. Ein Unsicherheitsfaktor, das Treppenhaus, sollte endlich dem Brandschutz gerecht werden. Dabei bestünde auch die Chance das Sanitär- und Waschraumangebot zu vergrößern, dachten der Architekt und der Hüttenwart.
Viele Hinweise aus der Literatur wiesen auf die Notwendigkeit hin, das Übernachtungsangebot den neuen Standards anzupassen. Schon 1928 schrieb Dr. Karl Blodig im DAV-Jahrbuch: …aber warum man es gerade im Gebirge um so viel unbequemer haben soll als daheim, das kann ich eigentlich nicht begreifen. Ich weiß mich mit vielen erstklassigen Bergsteigern einig, wenn ich behaupte, dass je mehr und je anstrengendere Touren jemand unternimmt, desto lieber er das Übernachten in einem Bette dem allerschönsten Matratzen- oder gar Heulager vorzieht…“.
In der Heilbronner Stimme äußerte sich Hans-Werner Rodrian am 4. September 1999 so: Die Ansprüche der Kundschaft steigen. Nicht nur der Pauschalurlauber, sondern auch das Alpenvereinsmitglied erwartet heute, dass das Hotel top ist. Wenn die Matratzen durchgelegen, die sanitären Anlagen unsauber, das Hüttenessen schlecht ist, dann wird eben geklagt.
Inzwischen haben die meisten Hütten in unserer Nachbarschaft ihre Pflichten erledigt, sie haben sich für die Zukunft gerüstet. Die Lösung unserer Aufgabe bahnte sich nach vielen Diskussionen bei gemeinsamen Aufstiegen mit unserem Architekten an: Nämlich die Etablierung eines geschickten Anbaues an die Nordfassade, der die Möglichkeit bot, alle notwendigen Verbesserungen vorzunehmen:

1. Brandschutzmaßnahmen
2. Dacherneuerung zum Schutz der Gebäudesubstanz
3. Erneuerung und Erweiterung der sanitären Anlagen.

Je mehr die Ideen wuchsen, desto mehr Schwierigkeiten zur Lösung der Haustechnik entstanden. Der Eingriff in die alte Bausubstanz stellte ein Problem dar. Die Gründung in unbekanntem Bereich der Leitungsführung des Starkstromkabels elektrisierte uns.

Die Planung

Anbau eines Baukörpers mit ca. 21 qm Grundfläche und ca. 11 m Höhe, der die Treppenanlage entsprechend der Brandschutzvorschriften neu anordnen lässt. Errichtung einer neuen Fluchttreppe anstelle der Feuerleiter. Erneuerung des desolaten Daches mit dem selben Edelstahl-Material wie auf dem Selbstversorgerhaus.
Die vorgefertigten Fassadenelemente werden eingebaut.Der zusätzliche Raumgewinn in der Breite wird zum Einbau neuer Wasch- und Toilettenräume verwendet. Auf jedem Geschoss werden dann 2 WCs, 2 Urinale, 3 Waschbecken und eine Dusche installiert. Zusätzlich entsteht ein Putzraum. Im Untergeschoss kann der entstehende Raum zur Technikerweiterung, bzw. -verbesserung verwendet werden. Im Erdgeschoss kommt er der Küche zu Gute.
Am 7. Februar 2001 informierten Herr Stehle und Herr Quattländer die Vorstandschaft über die Vorplanung. Viele Gespräche folgten. Diskutiert wurde über die rund eine Million Kosten, kann sie der Verein schultern? Zuletzt wuchs die Überzeugung, dass dieses Vorhaben angepackt werden musste.
Die Planung wurde in Auftrag gegeben. Und das wollten auch die Mitglieder. Sie stimmten in der Hauptversammlung, am 4. April 2001 bei 6 Enthaltungen dem Antrag des Vorstandes zu: Der Voranschlag des Architekten lag bei 1.21 Millionen DM.
Einsatz Eigenkapital 150.000 DM, Darlehen Bank und DAV 600.000 DM. Die verbleibende Finanzierungslücke von 460.000 DM muss durch Zuschüsse des Regierungspräsidiums, des DAV Hauptvereins und anderen öffentlichen Quellen, wenn notwendig, über Sponsoren, gedeckt werden.
Anlässlich eines Ortstermins erläuterte Architekt Stehle die Entwürfe und die Ziele zur Verbesserung der Hütte. Nicht nur die Baubehörde unter Leitung von Herrn Juen, sondern auch die Herren Weber und Feldhusen vom Arbeiten am Dachfirst mit Blick auf den Strittkopf.DAV und der Gaschurner Bürgermeister Blaas begrüßten das Bauvorhaben und attestierten eine deutliche Verbesserung der Sicherheit und der Aufenthaltsqualität. Ein beruhigendes Ergebnis für die Vereinsvorstände: 1. Vorsitzender Manfred Blatt, Josef Kaliga, und Wilfried Thonig.
Auch unsere Hüttenwirtsfamilie Immler freute sich auf das erweiterte Haus, trotz der zu erwartenden Beeinträchtigungen während des Umbaues.
Am 9. Mai 2001 erhielt die Sektion die Baugenehmigung für den Anbau. Die Bemühungen um die Geldmittel erbrachten in Aussicht gestellte Zuschüsse und Darlehen, die uns auf die sichere Seite brachten.

Die Finanzierung:

Zuschuss Regierungspräsidium Stuttgart 257.000 DM
Zuschuss Hauptverein DAV 200.000 DM
Darlehen Hauptverein DAV 250.000 DM
Zuschüsse Stadt Heilbronn u. Landkreis 120.000 DM
Bankdarlehen 383.000 DM
Gesamtsumme 1.210.000 DM

Damit war die Finanzierung gewährleistet und das Bauen konnte beginnen. Es war beabsichtigt, das Bauvorhaben bis zum 75-jährigen Jubiläum der Hütte 2003 fertig zustellen und dann feierlich einzuweihen.

Der Bau

Im Juni 2001 waren die Aufträge an die heimischen Baufirmen vergeben und die Zufahrtwege mit der Schneefräse freigemacht. Die Handwerker rückten an.
Der schwierige Aushub für das Fundament glückte trotz unbekannter Leitungsführung des Starkstromkabels in diesem Bereich. Mit der Erneuerung der Entwässerung wurde auch gleich ein neuer Fettabscheider eingebaut.
Kaum eine Woche später waren die Zimmerleute mit der vorgefertigten Holzkonstruktion bis ins Dachgeschoss fertig, und am 3. August konnte die Firstweihe gefeiert werden. Fenster und Läden komplettierten die Außenfassade, sodass die Installationsarbeiten sofort folgen konnten. Auch die Spengler waren da. Das Dach war am 17. August mit Blech gedeckt.
Leider unterbrach der starke Schneefall im September für zwei Wochen die Bautätigkeiten. Bis dahin arbeiteten die Heizungsmonteure, Elektro- und Sanitärinstallateure bis spät in die Abendstunden. Für ihre Übernachtungsmöglichkeit und das leibliche Wohl war ja gesorgt.
Einbau der neuen Rettungstreppe am Westgiebel.Anfang September meldete unser umsichtiger und kompetenter Bauleiter Franz Neyer: Die Feuerschutztreppe steht, die Solaranlage ist installiert und der Innenausbau geht so lange noch weiter wie das Wetter die Erreichbarkeit der Hütte ermöglicht.
Im Frühjahr 2002 hatten wir es dann sehr eilig. Der Architekt wollte nämlich die Handwerker schon bald wieder auf die Hütte schicken. Auch Fredi Immler wollte die staubproduzierenden Arbeiten in Bälde erledigt wissen.
Schon am 30. Mai räumte er mit dem Ratrac den Versorgungsweg durch die Restschneefelder im Verbellatal. Die Handwerker kamen und am 22. Juni öffnete auch die Hütte offiziell. Der Innenausbau im sanitären Bereich: Toiletten, Waschanlagen, Duschen und im erweiterten Küchenbereich konnte weitergehen. Bereits am ersten Tag waren neun Handwerker da. Und am 25. Juni wurde die neue, aus hellem Kiefernholz gefertigte, Treppenanlage eingebaut.
In den Untergeschossen standen jetzt die Feinarbeiten für die Installateure an: Wasseraufbereitungsanlagen, Steuergeräte, Speichereinheiten, die Voraussetzungen für das Funktionieren der gesamten Haustechnik, musste jetzt geschaffen werden. In diesem, für die Hüttenbesucher verborgenen Bereich, liegen schier endlose Leitungskanäle wie Autobahnen an den Decken und Wänden. Es scheint, als ob hier die größten Kostenverursacher zu finden sind.
Das Ergebnis der zügigen Fertigstellung war bereits Ende Juli verfügbar: Im ganzen Haus floss warmes Wasser. Die Techniker haben vorgesehen, die 10 qm große Solaranlage einen wesentlichen Teil des Warmwassers produzieren zu lassen. Sie gehen davon aus, dass der auf 70° C aufgeheizte Wasservorrat von 80 Litern, nur bei extremer Abnahme elektrisch nachgeheizt werden muss.
Am 20. Juli durften die Teilnehmer der Jahresausfahrt zur Neuen Heilbronner Hütte, die neuen Duschen ausprobieren.
Als Letztes wurden die beiden Damenwaschräume im 1. und 2. Obergeschoss, den Auflagen der Behörden entsprechend umgebaut. Sie erhielten aus hygienischen Gründen geflieste Wände und Böden, Toiletten, Waschgelegenheiten und Duschen.
Es ging alles zügig voran, Dank der guten Versorgung der Handwerker durch das Hüttenteam. Im Oktober 2002 wurde der letzte Bodenteppich ausgerollt, die Bautätigkeit endete. Es schien, als ob jetzt alles fertig wäre, doch jetzt begann das große Reinemachen.
Auch die 12 Männer des Arbeitseinsatzes "Hütten und Wege" hatten nur ein Ziel: Das gesamte Hüttenareal von Bauschutt endlich zu befreien. Die Bauwunden um den Neubau konnten pfleglich geheilt und für eine entsprechende Bepflanzung durch den Arbeitseinsatz Naturschutz vorbereitet werden. Dies geschah mit Geschick und kundigem Vorgehen.
Das ehrgeizige Ziel der Initiatoren und des Vorstandes präsentiert sich heute als zukunftsorientierte Hüttenerweiterung und -sanierung, die künftig keinen übermäßigen Instandhaltungsaufwand mehr erfordern wird. Die Sektion kann mit Stolz 75 Jahre Neue Heilbronner Hütte ihren Jubiläumsgästen zeigen und berichten, dass die Baukosten nicht überschritten wurden. Eine lange Geschichte, in der viel Herzblut geflossen ist.
Ziel war und wird es immer sein, in diesem Haus, allen Bergfreunden Unterkunft und Gastlichkeit zu gewähren und die Natur und die Umwelt darum herum, im Interesse Aller im ganzen Gebiet zu pflegen.

Der neue Anbau, Planung: Architekt Wahrmut Stehle.

Text: Peter U. Quattländer