„Kreuzzug“ auf die 100 Jahre Alte Heilbronner Hütte in Südtirol
Gedenkfeier am 9.8.2010 beim „Schloss in den Bergen“
Mit einem „Kreuzzug“ feiert die Sektion Heilbronn des Deutschen Alpenvereins am 9. August 2010 in Südtirol 100 Jahre Alte Heilbronner Hütte. Dort hat der Heilbronner Silberwarenfabrikant Hofrat Peter Bruckmann als Vorsitzender der Sektion auf dem Tascheljöchl zwischen dem Schnalzer und Schlanderer Tal auf 2.770 Metern Höhe ein kleines „Schloss“ errichtet. Zur Erinnerung an die 1932 abgebrannte Hütte errichtet die DAV-Bezirksgruppe Eppingen ein selbst konstruiertes Kreuz.
Die vom Heilbronner Architekten Adolf Braunwald gebaute erste Heilbronner Hütte hat eine bewegte Geschichte. Ab 1914 liegt sie im Kriegsgebiet des Ersten Weltkriegs. 1919 werden weite Teile von Südtirol, darunter auch das Gebiet um die Hütte, Italien zugesprochen. Das von Bruckmann gestiftete Tafelsilber rettet Hüttenwirt Josef Gamper 1919 in einer Nacht- und Nebelaktion über die Grenze nach Obergurgl in Österreich. Deshalb ist es heute noch erhalten.
Nach der Machtübernahme Mussolinis 1923 wird die deutsche Sprache verboten. Alle deutschen alpinen Vereine werden aufgelöst, alle 71 Schutzhütten enteignet. Dadurch wird der italienische Bergsteigerverband Club Alpino Italiano (CAI) neuer Eigentümer der Hütte. Am 24. November 1932 brennt sie ab.
Gerhard Knöller hat vor Ort 20 Jahre wie ein Kommissar ermittelt. Für ihn steht fest: „Unsere Hütte ist dem Interessenskonflikt zwischen der einheimischen Bevölkerung und der italienischen Obrigkeit zum Opfer gefallen. Die Schmuggler brauchten die Hütte als Stützpunkt auf ihrem Weg nach Österreich und die Militärs aus militärisch-strategischen Gründen.“ Von der Heilbronner Hütte aus war der Grenzverlauf zu überwachen, ebenso jede Bewegung im oberen Schnalstal. Schmuggel war für viele Bewohner des Tales in der bitteren Nachkriegszeit die einzige Überlebenschance. Es ist deshalb die wahrscheinlichste Geschichte: dass die einheimische Bevölkerung die Hütte angezündet hat, um den Zollbeamten und dem Militär diesen Stützpunkt zu nehmen.
Heute steht die Alte Heilbronner Hütte als Modell im Alpinzentrum der DAV-Sektion Heilbronn. Knöller: „Wenn man die einzigartige Architektur und die Ausstattung mit fließendem Wasser, Zirbenholzvertäfelung, Silber und reich verziertem Geschirr berücksichtigt, wird die Bezeichnung ,Schloss in den Bergen’ ihrer Bedeutung gerecht.“ Geblieben sind eine Ruine, eine Gedenktafel, ein als Unterkunft nutzbarer Mulistall, das Bruckmann-Silber und das Modell.
Jetzt kommt das 4,5 Meter hohe Kreuz dazu. Die Eppinger DAV-Bezirksgruppe unter ihrem Vorsitzenden Klaus Zürner hat es geplant: „Wir sind einfach begeistert von den Bergen und wollten das auf diese Weise zeigen.“ Aus Edelstahlrohren bauten sie eine zerlegbare Konstruktion, die in den Tagen vor der Feier in 180 Einzelteilen in stundenlangen Märschen 700 Höhenmeter hinauf getragen wird. Über 50 Gäste nehmen dann am Montag an der Feier samt Kreuzweihe durch Pfarrer Joe Egle aus Gaschurn teil. Aus dem Montafon, wo die Neue Heilbronner Hütte steht, nimmt eine Delegation teil. Peter Bruckmann hatte im Verwall einen geeigneten Platz für eine neue Hütte gefunden: Auf 2320 Metern Höhe am Verbellner Winterjöchle oberhalb der Scheidseen. Einweihung war am 1. Juli 1928. Bis in die Gegenwart wurde die Hütte mehrfach erweitert. schw.
INFO PRESSE
Gerhard Schwinghammer















