Wie der Jagsthausener Burghof zur „Kletterarena“ wird

Heilbronner DAV-Sicherheitsexperten im Sondereinsatz bei der
Verfolgungsjagd auf die „Blues Brothers“ Gerhard Schwinghammer
Die Szene dauert keine 45 Sekunden. Aber sie hat es in sich. Vom Treppenturm der Jagsthausener Burg seilen sich drei „Verfolger“ von Jake und Elwood aus einem Fenster knapp 12 Meter hoch in den Burghof hinab. Eine Szene, die dem dramatisch-rasanten Kultfilm „The Blues Brothers“ aus dem Jahr 1980 nachempfunden ist.
In diesen 45 Sekunden arbeiten Tilo Baumgärtner und Michaela Schwenk mit höchster Konzentration. Sie sind für die Sicherheit bei der Abseilaktion zuständig. Zunächst ein „normaler“, im Blick auf Szene und Ort ein ungewöhnlicher Einsatz für den Teamleiter und die Übungsleiterin in der Kletterarena des Deutschen Alpenvereins in Heilbronn.
Was im Film von John Landis zu einer effektvollen Verfolgungsjagd auf Jake und Elwood ausartet, die in Chicago eine Schneise der Verwüstung hinterlässt, leistet im Jagsthausener Burghof dramaturgisch das oberste Fenster im Treppenturm.
„Solche Möglichkeiten muss man einfach nutzen“, schwärmt Regieassistentin Regine Heiden.
Regisseurin Barbara Neureiter hat die Szene in ihre Neu-Inszenierung der turbulenten Musikkomödie „Blues Brothers“ für die Burgfestspiele Jagsthausen eingebaut und die drei Laiendarsteller Thomas Liebing, Gerhard Lang und Toni Eichhorn gefragt: „Traut Ihr Euch das zu?“
Sie sind hochgestiegen, haben nach unten geschaut und „Ja“ gesagt. Klettern gehörte bisher nicht zu ihren Hobbies. Eichhorn: „In der DAV-Kletterarena in Heilbronn hat man uns aber sehr gut eingewiesen.“ Alle drei waren zum ersten Mal dort und schauten zunächst mal skeptisch nach oben. Aber DAV-Profi Mark Eckstein fand den richtigen Einstieg, sodass die Zweifel vollends verflogen.
In erster Linie geht es um Sicherheit. Tilo Baumgärtner sagt den Dreien immer wieder: „Euer Sicherheitsgefühl steht über allem. Wir sichern von oben und von unten.“
Oben, das sind zunächst einmal 59 wendeltreppenartige Steinstufen. Am Ausstiegsfenster hängen schon drei Sicherungsseile bereit. Toni Eichhorn kommt in Polizeiuniform hochgerannt. Schnell zieht er den Klettergut an. Dann stehen noch zwei Holzstufen und das Fenster zwischen ihm, seinen Polizisten-„Kollegen“ und dem Abgrund. Mit Spezialschuhen und gut gesichert steigen sie hinaus.
Markus Müller vom Festspielbüro hatte die Idee, wie man die Sicherheitsanforderungen für diese Aktion erfüllen könnte. Er nahm Kontakt zu Schatzmeister Wilfried Thonig von der Alpenvereins-Sektion Heilbronn auf.
Dort kennt man sich mit steilen Wänden aus. Nach einer Vorortbesichtigung waren sich die DAV-Experten einig: „Das machen wir.“ In der Kletterarena und am Turm trainierten die Laiendarsteller ihren Einsatz stundenlang mit DAV-Unterstützung.
Bei der ersten Durchlaufprobe in Kostümen wird die Dramatik der Szene deutlich. Barbara Neureiter schwärmt: „Das sieht toll aus.“ Tilo Baumgärtner: „Die Jungs sind sehr fit.“ Draufgänger sind sie nicht. Weil die 16 Vorstellungen zeitlich auseinander liegen, legen sie vor jedem Spielabend ein Kurztraining ein: „Wenn wir das immer wieder üben, fühlen wir uns noch sicherer.“ Ab Donnerstag sind die DAV-Sicherheitsleute wie bei den Proben zuvor auch bei jeder der 16 Vorstellungen dabei.

Premiere ist am 24. Juni 2010 um 20.30 Uhr. Vorstellungen gibt es bis 13. August 2010.







