DAV Hauptversammlung 2011 in Heilbronn

Gerhard Schwinghammer

Der DAV diskutiert sich fit für die Zukunft

Mit vielen Komplimenten aus Teilnehmerkreisen für die Organisation der Sektion ging die Hauptversammlung des Deutschen Alpenvereins am Samstagabend in Heilbronn zu Ende. 
Das Grundsatzprogramm Umwelt wurde beschlossen und für die Mehrjahresplanung die finanzielle Grundlage gelegt. Ein vielseitiges Rahmenprogramm unterhielt die Gäste und Partner.

Für die meisten außenstehenden Beobachter war nach Ansicht von Kennern im Vorfeld bereits klar: Spektakulär würde die DAV-Hauptversammlung nicht werden. Keine explosiven Personalkonstellationen, keine schwelenden Konflikte. Tatsächlich kam es dann ganz anders: Mit sehr großer Leidenschaft debattierten die Sektionenvertreter zwei Tage lang, lieferten sich dabei einige kontroverse Debatten und überzogen die Zeitplanung deutlich. Zwei Stunden länger als geplant waren sie im Konferenzsaal im Intersport-Messezentrum RedBlue. Am Samstagabend, 29. Oktober, gegen halb sieben Uhr konnten die rund 600 Delegierten dann allerdings sehr zufrieden sein: Sie hatten einige wichtige Entscheidungen mit großer Tragweite für den DAV getroffen und richtungsweisende Schritte eingeleitet.

Beispielhaft für die Reaktionen auf die Hauptversammlung in Heilbronn soll die Äußerung von Dr. Ulrich Voigt, Vorsitzender des Landesverband Sachsen des Deutschen Alpenverein und Ehrenvorsitzender des Bergsteigerbund im DAV sein: „Lassen Sie mich den sächsischen Dank für Ihre gut organisierte Veranstaltungsreihe sagen! Es war … eine sehr gelungene Reihe von schönen Tagen in Heilbronn. Die Festveranstaltung erfreute durch wirklich besondere sportliche und kulturelle Beiträge.“

Am Edelweißfest nahmen 550 Besucher teil, darunter 200 aus der Sektion. Sie erlebten ein buntes Programm mit Musik, Sport, Buffet und guten Gesprächen. Auch der „Bierabend“ in Lehner’s Wirtshaus am Vorabend der Hauptversammlung erfreute sich eines sehr großen Zuspruchs. Zuvor hatte Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach für die Repräsentanten des Deutschen Alpenvereins und die internationalen Gäste einen Empfang im Rathaus gegeben. Er stellte Heilbronn als Stadt vor, die „sehr viel Bewegung ausstrahlt“. Die Heilbronner Hütte in Vorarlberg und der Heilbronner Weg im Allgäu seien zwei „Markenzeichen“, die den Namen der Stadt nach draußen tragen. Hüttenwirt Fredi Immler war aus Gaschurn angereist, um am Empfang teilzunehmen. Himmelsbach blickte nach vorn, sprach die Planungen für ein neues Heilbronner Alpinzentrum an („Ich bin sicher, dass wir eine gute Lösung finden.“) und lud zur Bundesgartenschau 2019 ein. Nachdem die Hauptversammlungen in Heilbronn bisher im Abstand von 25 und zuletzt 20 Jahren stattgefunden hätten, müsse der DAV dann halt die Schrittweite verkürzen. Einen besonderen Glückwunsch vom OB gab es für das Heilbronner DAV-Urgestein Hans Kaiser. Er wurde am Tag des Empfangs 91. Am Vorabend der Gremien-Beratungen genossen die DAVler eine Weinprobe in der Wein Villa. 

DAV-Präsident Josef Klenner lobte: „Das Klima in Heilbronn scheint uns gut zu bekommen.“ Die Beratungen von Präsidium und Vorstand seien zügig vorangekommen. Die Hauptversammlung in Heilbronn sei wegen der Beratungen von neuen Grundpositionen ein „wichtiger Meilenstein für die Naturschutzpolitik des DAV“.

Sehr gut an kam das Rahmenprogramm mit besonderen Stadtführungen, Besichtigungen bei Audi und im Botanischen Obstgarten Heilbronn sowie Wanderungen über den Weinpanoramaweg und zu den „treuen Weibern“ nach Weinsberg mit Verkostungen von Wein bei den Weingütern G.A. Heinrich in Heilbronn und Seyffer in Weinsberg sowie Bier bei der Palmbräu in Eppingen.
Zum Abschluss stand eine Schifffahrt auf dem Heilbronner Neckar auf dem Programm. Dazu hatte die Sektion auch die Begleiter des Rahmenprogramms eingeladen. Abends trat Karikaturist und Humorist Erbse Köpf in der Kletterarena auf.
Gerhard Schwinghammer lobt als Projektleiter der Sektion für die Hauptversammlung: „Unser Team erzielte bei der Begleitung des Rahmenprogramms viel Sympathie für die Stadt und die Sektion. Eine solche Veranstaltung kann man nur mit einem zuverlässigen Team gut organisieren. Für den ehrenamtlichen Einsatz, für die großartige Mitwirkung der Geschäftsstelle und allen, die sonst mitgeholfen haben, ein herzliches Danke.“
Die nächsten Hauptversammlungen finden 2012 in Koblenz und 2013 in Neu-Ulm statt.
Weitere Berichte und Bilder auf www.dav-heilbronn.de unter DAV HV 2011.

Und das sind die wichtigsten Ergebnisse der Hauptversammlung:

Mit der Mehrjahresplanung 2012 bis 2015 haben die Delegierten ein Grundsatzpapier verabschiedet, das die folgenden Arbeitsschwerpunkte des Deutschen Alpenvereins für diekommenden Jahre festlegt:

  • Deutliche Anhebung der jährlichen Zuschüsse für Hütten und Wege – von bislang 4 Mio. € auf dann 6,2 Mio. € jährlich. Dabei handelt es sich um Mittel, die Sektionen für anstehende Baumaßnahmen in Form von Beihilfen oder Darlehen vom Hauptverein bekommen können.
  • Mehr Service für die 353 Sektionen des DAV; darunter fallen derAusbau des Versicherungsschutzes für Einzelmitglieder, die Unterstützung bei der Verwaltung der Mitgliederdaten oder ein deutlicher Ausbau des DAV-eigenen Intranets.
  •  Verstärkte Investitionen in die Sicherheit beim Bergsport; weiterer Ausbau der Ausbildung und Bereitstellung eines umfassenden Toureninformationssystems im Internet für alle Bergsportler.
  • Stärkung der Jugendarbeit durch mehr Unterstützung für die Sektionen bei der Gewinnung und Bindung von Jugendleitern und weiteren Ehrenamtlichen.
  • Start einer großen Klimastrategie im Bereich „Natur und Umwelt“, um der Verantwortung des DAV als Naturschutzverband gerecht zu werden.

Voraussetzung für eine Realisierung dieser Vorhaben ist eine Anhebung
Verbandsbeitrages – also des Anteils, den die Sektionen zur Finanzierung
der gemeinsamen solidarischen Aufgaben an den Hauptverein abführen.
Die Delegierten beschlossen eine Anhebung um 5,46 Euro auf 30 Euro mit
Wirkung zum 1. Januar 2014.
Um diesen Punkt (der schwierigste) gab es eine mehrstündige Diskussion mit Unterbrechungen Die Stimmung verlief zwischen Ablehnung und Halbierung der Erhöhung. Eine Mehrheit lehnte auf Betreiben der Sektionen München/Oberland den Antrag des Verbandsrates zunächst ab. Damit war die ganze Zielplanung gefährdet. „Eine Katastrophe für den DAV“, wie ein Redner feststellte. Der Verbandsrat trug nach der halbstündigen Sitzungs-Unterbrechung einen Kompromiss vor, der dann doch Zustimmung fand: Beitragserhöhung erst ab 2014 unter Verschiebung einer Reihe von geplanter Maßnahmen  im Wert von 4 Millionen Mark. Die Zustimmung wurde mit großem Beifall bedacht. Auch der Verbandsrat auf der Bühne stand auf und applaudierte den Delegierten. Großes Durchatmen.     

Offiziell heißt das so: Ausgesprochen intensiv waren insbesondere die Diskussionen zur Mehrjahresplanung und zum Verbandsbeitrag. Über drei Stunden beschäftigten sich die Delegierten mit dem Thema, und damit so lange wie selten zuvor bei einem einzelnen Tagesordnungspunkt. „Das Thema ist für alle Beteiligten von großer Bedeutung", sagte DAV-Hauptgeschäftsführer Thomas Urban unmittelbar nach der Hauptversammlung. „Aus der intensiven Debatte geht die Solidargemeinschaft der Alpenvereinssektionen gestärkt hervor. Jetzt können wir den DAV fit für die Zukunft machen."
Mit großer Mehrheit haben die Delegierten der Novellierung des „Grundsatzprogramms zur umwelt- und sozialverträglichen Entwicklung und zum Schutz des Alpenraums“ zugestimmt. Das Programm stellt die Basis für die Naturschutzarbeit des DAV dar und ist das Ergebnis eines intensiven zweijährigen Arbeits- und Abstimmungsprozesses. Es beinhaltet Positionen zu Themen, die im alten Programm aus dem Jahre 1994 nicht enthalten sind – unter anderem zur Klimaentwicklung, zu neuen Bergsportdisziplinen wie Schneeschuhgehen oder Skitourenwettkämpfen und zum Thema Energiegewinnung in den Alpen.
Nahezu einstimmig wurden die neuen Richtlinien zur finanziellen Förderung von Wegebaumaßnahmen beschlossen. Ebenfalls beschlossen wurden die Richtlinien zur Förderung von Baumaßnahmen auf Hütten. Allerdings beauftragten die Delegierten die zuständigen Gremien, einige Details bis zur nächsten Hauptversammlung in einem Jahr nachzuarbeiten. Beide Richtlinien treten dennoch zum 1. Januar 2012 in Kraft.